«DirectPoint»
Magazin der Schweizerischen Post

Peter Schneider; Foto: Peter Hauser

«Es gibt ja schliesslich so etwas wie gesunden Menschenverstand»

Ein Gespräch mit dem bekannten Medienexperten und Satiriker Peter Schneider über Fake News als Ausrede, Faktenchecks und naive Wahrheitsbegriffe.

Sind Sie schon auf Fake News hereingefallen?
Nicht, dass ich mich erinnern könnte. Was für die Qualität der Fake News spricht, auf die ich hereingefallen bin.

Die Auflagen klassischer Medien sinken stetig. Und sie haben stark an Glaubwürdigkeit eingebüsst. Sehen Sie da einen Zusammenhang?
Dass die Auflagen sinken, hängt natürlich damit zusammen, dass man sich mittlerweile in einem gar nicht schlechten Umfang über online auf- und verbreitete Informationen orientieren kann. Fast alle Zeitungen bieten eine Auswahl ihrer Artikel kostenlos an. Und selbst passionierte Zeitungsleser lesen sie kaum vom ersten bis zum letzten Buchstaben. Der Verlust einer abonnierten Tageszeitung ist also nicht so gravierend, dass er einem sogleich ins Auge sticht. Und darum ist es keineswegs mehr selbstverständlich, dass zum Erwachsenwerden ein Zeitungsabo dazugehört wie der Führerschein. Mit der sinkenden Auflage schwinden natürlich die Einnahmen und das bedroht die Qualität und damit die Glaubwürdigkeit.

Man muss aufpassen, dass man in der Abwehr von Fake News nun nicht wieder einem naiven Wahrheitsbegriff aufsitzt, so wie die Demonstranten des «March for Science» (mit Wissenschaft gegen Fake News).

Peter Schneider, Psychoanalytiker, Satiriker, Kolumnist

Vor den Bundestagswahlen in Deutschland zeigte eine Untersuchung, dass sieben der zehn erfolgreichsten Artikel über Angela Merkel auf Facebook erfundene Geschichten sind. Fördern die sozialen Medien den Untergang des Qualitätsjournalismus?
Ich glaube, es gibt einen Loop zwischen sogenannten Qualitätsmedien und sozialen Medien, insofern, als dass soziale Medien in der Weiterverbreitung und Kommentierung von Nachrichten klassische Funktionen der Tagespresse übernehmen und dass – was man insbesondere bei den Gratiszeitungen sieht – die Printausgaben häufig ein beliebiges Sammelsurium aus den sozialen Medien und irgendwelchem Onlineklatsch darstellen. Dafür stehen nicht nur die Leserreporter, sondern auch die unzähligen Umfragen, doch bitte sein schönstes Foto von «Weissnichtwas» einzuschicken oder seine Erlebnisse bei Soundso zu erzählen. Die Leser werden eingespannt, den Lesestoff selbst zu erzeugen, den sie dann wiederum vorgesetzt bekommen.






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