«Swissmem Network»
Verbandsmagazin der Swissmem

Foto: Daniel Auf der Mauer

Vom Thurgau in die ganze Welt

Offsetgeschäfte sind für GDELS-Mowag ein gängiges Mittel, um Geschäfte mit dem Ausland abzuwickeln. Dazu setzt das Thurgauer  Unternehmen bei der Industrie der potenziellen Auftragsländer an.  

Avatar Christine
Christine Spirig
photographer

Wir sind eine ganz normale Firma», sagt Oliver Dürr, Geschäftsführer von GDELS-Mowag. «Angesiedelt in einem kontroversen Umfeld.» Das Unternehmen mit Sitz in Kreuzlingen, das seit  2003 zum US-Rüstungskonzern General Dynamics gehört, ist mit fast 900 Mitarbeitenden einer der weltweit führenden Hersteller von hochgeschützten Radfahrzeugen für militärische Zwecke. Rund 30 Prozent der Produktion werden im Inland abgesetzt, 70 Prozent im Rest der Welt. Eines der umfangreichsten Geschäfte war die Bestellung mehrerer hundert Piranha-Fahrzeuge durch Dänemark im Jahr 2017. Interessantes Detail: Der Auftragsstaat war ursprünglich an schweren Kettenpanzern interessiert, dennoch haben die hochmobilen Mowag-Radfahrzeuge den Zuschlag erhalten. Das hat für grosses mediales Aufsehen gesorgt und auf die Branche ausgestrahlt: Mittlerweile müssen Rad-Piranhas nicht mehr hinter den Raupen zurückstehen. 

Win-Win-Situation für alle Beteiligten
Nahezu alle Geschäfte, die Mowag tätigt, sind mit Industriebeteiligungen verbunden. Fünf Mitarbeitende beschäftigen sich ausschliesslich mit Offset. Ziel sei immer, möglichst früh mit den Industrieteilnehmern in den potenziellen Auftragsländern zu verhandeln. «Advanced Marketing», nennt Dürr dieses Vorgehen. «Wir überzeugen die lokalen Firmen und diese dann ihre Politiker, uns bei der Auftragsausschreibung zu berücksichtigen.» Auch mit der dänischen Industrie pflegt Mowag schon jahrelange Beziehungen; seit 2003 liefern dänische Unternehmen unter anderem die Aussenpanzerung aus Keramik in den Thurgau. Diese Leistungen kann sich Mowag an die aktuellen Offsetverpflichtungen anrechnen lassen.

Foto: Daniel Auf der Mauer
Oliver Dürr, CEO des Radpanzerherstellers Mowag.

Dürr räumt ein: «Am kostengünstigsten wäre es, alles im eigenen Land zu produzieren.» Doch Industriebeteiligungen seien Teil des Deals, von dem schliesslich beide Parteien profitieren würden. Bei Mowag profitieren die Auftraggeber von einer branchenweit unerreichten Fertigungstiefe, die Schnelligkeit und Flexibilität garantiert. Zudem investiert das Unternehmen laufend in Produktionsanlagen und -prozesse, Technologie, Gebäude und Mitarbeitende, sodass für neue Aufträge nur geringe Aufrüstungsmassnahmen nötig sind. Dürr: «Das hilft, die Kosten im Lot zu halten.» 

Offenheit als Unternehmensgrundsatz
Der Kostenvorteil macht sich laut Dürr bezahlt: «Wir haben noch nie einen Kunden wegen des Preises verloren.» Heikler seien hingegen Government-to-Government-Geschäfte; wenn Länder direkt mit anderen Ländern über die Regierung Rüstungsgüter beschaffen. Vor allem neue EU-Länder hätten Berührungsängste wegen der oft langwierigen Vertragsverhandlungen. «Die Schweiz macht keine solchen Geschäfte», so Oliver Dürr. «Wir sind im Vergleich zu anderen Ländern sehr transparent.» Das gelte auch für das eigene Unternehmen: «Offenheit hilft in dieser Branche.» Auch wenn das Unternehmen hin und wieder mit negativen Schlagzeilen konfrontiert ist, wie jüngst wegen der Lieferschwierigkeiten bei den Duro-Armeelastwagen, ist Oliver Dürr selbstbewusst: «Wir haben nichts zu verstecken!» 






Weitere spannende Geschichten und Infografiken aus der MEM-Industrie gibt es hier: www.swissmem.ch/publikationen