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Reisemagazin der SBB

Ausprobiert fürs via-Magazin der SBB: Apnoetauchen

Nur nicht ans Atmen denken!

Tief einatmen und abtauchen: In Begleitung des mehrfachen Apnoe-Weltmeisters Peter Colat sind wir auf Tauchgang gegangen – und haben dabei vom Fliegen geträumt.

Murielle Drack

Die Türen der S-Bahn öffnen sich. Ich steige aus und hole tief Luft. Das werde ich die nächsten zwei Stunden wohl noch oft tun – sehr oft und sehr tief Luft holen. Ich stehe am Bahnhof von Rümlang und mache mich auf den Weg Richtung Hallenbad Heuel. In wenigen Minuten erwartet mich dort Peter Colat, seines Zeichens mehrfacher Weltrekordhalter im Apnoetauchen. Er soll mich den langen Atem lehren. 

Bisher habe ich im Freitauchen nicht mehr Erfahrung als der Durchschnittsbürger: Tauchspiele als Kind in der Badi, später ein paar Längentauchübungen im Schulschwimmen. Erst vor einem Jahr habe ich auf den Kapverden mein PADI Open Water Brevet gemacht, ein tief beeindruckendes Erlebnis. Nun will ich etwas über das Tauchen ohne Sauerstoffhilfe lernen – und zwar von einem Meister seines Fachs.

Die Uhr tickt und tickt
Peter Colat beginnt das Training mit Erklärungen zur Atemtechnik. Ich soll tief ausatmen und anschliessend beim Einatmen meinen Torso vom Zwerchfell aus mit Luft füllen: zuerst den Bauch, dann die Mitte, dann den Brustkorb. Nach zwei, drei dieser tiefen Atemzüge lege ich mich ein erstes Mal mit dem Gesicht nach unten ins Wasser. Mit komplett entspannten Gliedern treibe ich an der Oberfläche, betrachte die Plättchen am Beckenboden und lausche dem leisen Surren der Wasserdüsen. Nur nicht ans Atmen denken! Ich stelle mir vor, die Bodenplatten seien Felder und ich fliege über diese Landschaft wie ein Vogel. Doch es beginnt sich eine zunehmende Enge in der Kehle zu melden und die Zunge fühlt sich immer dicker an. Luft! Ich hebe den Kopf aus dem Wasser. Mein Einstand ins Apnoetauchen: 1:19 Minuten

Apnoetauchen mit Peter Colat
Rekordtaucher Peter Colat zeigt der Infel-Redaktorin die richtige Atemtechnik.

Übung macht die Meisterin
Peter Colat unterstützt mich bei meinem zweiten Versuch: die Augen schliessen, positive Gedanken suchen, vor dem Auftauchen die Hände auf den Bassinrand legen, den Kopf leicht hin und her bewegen. Und siehe da, beim zweiten Durchgang schaffe ich dann auch 1:31 Minuten, beim dritten Versuch sind es schon 1:58 Minuten.

Wir fahren fort mit einer Serie von vier Tauchphasen von 1:10 Minute Länge, bei welchen die dazwischenliegenden Tiefenatmungspausen schrittweise um die Hälfte verkürzt werden. Inzwischen zeigt die Entspannung ihre Wirkung: Meine Pulsfrequenz sinkt und ich beginne trotz angenehmen 28 Grad Wassertemperatur zu schlottern. Doch auch ihr positiver Effekt steigert sich: Ich schaffe auch mit nur 15 Sekunden Atempause die letzte Tauchphase von 1:10 Minuten.

Zum Schluss folgen nochmals 2 Minuten Tiefenatmung, bevor ich den Kopf ins Wasser abtauche und die Luft wiederum maximal lange anhalte. Mit geschlossenen Augen liege ich im Wasser, hänge entspannt positiven Gedanken nach und ignoriere den Sog in meinem Hals so lange wie möglich. Erst als das Ziehen schon fast in ein Würgen kippt, tauche ich auf. Die Stoppuhr zeigt 2:14 Minuten – knapp eine Minute länger als zu Trainingsbeginn.

Ich bin glücklich und überrascht, wie ich mein Atemvolumen durch die richtige Technik in so kurzer Zeit derart verbessern konnte. Bei keiner der Übungen – ob Duckdive, Längentauchen oder Luftanhalten am Beckenrand– sind Tempo oder Kraft ausschlaggebend. Viel wichtiger sind Ruhe und Konzentration – und ja, es hilft sicher, wenn man wie ich eine Wasserratte ist.






Zur Person
Der Zürcher Peter Colat zählt zu den weltbesten Apnoetauchern. Er ist mehrfacher Schweizer Meister und hält mehrere Weltrekorde im Freitauchen. Niemand kann länger seinen Atem anhalten: Mit 21:33 Minuten ist er seit 2011 ungeschlagen. Wichtig zu wissen: Zuvor durfte er 10 Minuten reinen Sauerstoff atmen. Auch im Streckentauchen unter Eis hat er mit einer Länge von 155,4 Metern die Nase vorn. Ohne Flossen tauchte er im eiskalten Wasser sagenhafte 110,2 Meter. Peter Colat trainiert regelmässig im Zürichsee und im Hallenbad Heuel in Rümlang. Er bietet allen Interessierten die Möglichkeit, mit ihm ins Wasser zu steigen und abzutauchen. 






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