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Reisemagazin der SBB

via Toggenburg / Foto: Daniel Ammann

Wanderparadies Toggenburg

Donnerlöcher, saftige Magerwiesen, Bloderchäs und malerische Bergseen: Das Toggenburg ist ein abwechslungsreiches Wanderparadies für Gross und Klein.

Manuel Bühlmann
photographer

Chäserrugg, Hinterrugg, Schibenstoll, Zuestoll, Brisi, Frümsel, Selun: Die sieben Gipfel bilden die Churfirsten, das Wahrzeichen des Toggenburgs. Während der lang gezogene Bergkamm in Richtung Norden sanft abflacht, präsentiert er sich nach Süden mit einer schroffen, fast 2000 Meter hohen Steilwand, die tief in den Walensee abbricht.

via Toggenburg / Foto: Daniel Ammann
Am Fusse der Churfirsten: Unterwegs auf dem Hochplateau von Sellamatt.

Unsere Wanderung beginnt in Starkenbach mit einem spektakulären Aufstieg, wobei Aufstieg in unserem Fall nicht ganz der Wahrheit entspricht. Wir entscheiden uns für die Seilbahn – die aber hat es in sich. Bei der Gondel handelt es sich um eine einfache, offene Holzkiste, die Platz für insgesamt sechs Personen bietet. Die Fahrt hoch hinauf zur Alp Vorder Selun dauert keine 10 Minuten. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte die 700 Höhenmeter unbedingt zu Fuss in Angriff nehmen.

Nur für Schwindelfreie: In dieser kleinen Kiste geht es von Starkenbach aus hoch auf die Alp Selun. Foto: Daniel Ammann
Nur für Schwindelfreie: In dieser kleinen Kiste geht es von Starkenbach aus hoch auf die Alp Selun.

Von Höhlenbären und Neandertalern
Oben angekommen werden wir nach der schaukligen Fahrt mit einer phänomenalen Aussicht vom Schwarzwald über den Säntis bis weit hinein in die Alpen belohnt. Nach ein paar Hundert Metern Fussmarsch wartet an der Nordflanke des Selun, des westlichsten Gipfels der Churfirsten, bereits das nächste Highlight auf die Wanderer – das Wildmannlisloch. Die Region der Churfirsten ist reich an vertikalen und horizontalen Karsthöhlen, bereits über 200 wurden erforscht – das Wildmannlisloch gehört wohl zu den eindrücklichsten. Die begehbare Höhle reicht 140 Meter in den Berg hinein (unbedingt Taschenlampe mitnehmen, ansonsten wird es nach 20 Metern stockfinster). Forscher fanden darin Überreste von Höhlenbären und Höhlenlöwen sowie mehrere Feuerstellen und aus Knochen gefertigtes Werkzeug. Das Wildmannlisloch wurde vor 40 000 Jahren von Neandertalern bewohnt. Dank der konstanten Temperatur von 5 Grad Celsius konnten die Jäger das Fleisch ihrer Beute über längere Zeit frisch halten.

Wildmannlisloch: Die Höhle ist am Selun gelegen und reicht 140 Meter tief in den Berg hinein – Taschenlampe nicht vergessen. Foto: Daniel Ammann
Wildmannlisloch: Die Höhle ist am Selun gelegen und reicht 140 Meter tief in den Berg hinein – Taschenlampe nicht vergessen.

Weiter dem Höhenweg entlang taucht schon bald die Breitenalp auf. Dort grast das Tiroler Grauvieh der Familie Wälli. Sohn Dani arbeitet normalerweise im Zürcher Unterland und hilft im Sommer seinen Eltern während dreier Wochen auf der Alp. Er gewährt uns einen Blick in die urchige Alphütte, in der sich eine ­offene Feuerstelle befindet, die auch zum Käsen gebraucht wird. Aus der hauseigenen Kuhmilch wird neben Butter herrlich schmeckender Bloderchäs, eine Toggenburger Spezialität, hergestellt. Der Sauermilch-Frischkäse ist fettarm und hat einen leicht säuerlichen Geschmack. Leider steht Wällis Käse nicht zum Verkauf zur Verfügung. Dafür sind die Auflagen der Gesundheitsbehörde einfach zu streng.

via Toggenbug / Foto: Daniel Ammann
Family-Business: Jeden Sommer zieht es Dani Wälli (2.v.r.) aus dem Zürcher Unterland hoch hinauf zu seinen Eltern auf die Breitenalp. Der Bloderchäs der Wällis schmeckt ausgezeichnet.
Der fettarme Bloderchäs hat eine lange Tradition im Toggenburg und sollte unbedingt probiert werden. Foto: Daniel Ammann
Der fettarme Bloderchäs hat eine lange Tradition im Toggenburg und sollte unbedingt probiert werden.

Achtung, Donnerloch!
Auf dem Weg Richtung Sellamatt kommen wir auf ein Hochplateau, das den Churfirsten auf halber Höhe zwischen Tal und Gipfel vorgelagert ist. Hier begegnen wir Christian Vetsch und seinem Enkel Adrian. Seit 1965 verbringt der freundliche Bauer mit dem Lindauerli im Mund den Sommer auf der Alp Thurtalerstofel. Jeweils Mitte Juni treibt er das Weidevieh von Grabs aus auf die Alp. Der Alpaufzug startet morgens um 2 Uhr, wenn wenig Verkehr auf den Strassen ist. Besonders stolz ist der Bauer auf sein original Schweizer Braunvieh, über 100 Kühe besitzt er. Auch ein Stier ist vor Ort. Um keine vorbeiziehenden Wanderer in Gefahr zu bringen, bleibt dieser aber meistens im Stall.

via Toggenburg / Foto: Daniel Ammann
Starkes Team: Der 6-jährige Adrian hat extra einen Jokertag eingelöst, um seinem Grossvater Christian Vetsch beim Misten zu helfen.

Angesprochen auf die sagenumwobenen Donner­löcher weist uns der Älpler den Weg zum Rauchloch, dem grössten Donnerloch weit und breit. Damit weder Kühe noch Wanderer hinunterstürzen, ist das ca. 300 Meter tiefe Loch mit Stacheldraht gesichert. Der Gesteinsbrocken, den wir in den dunklen Schlund werfen, donnert noch 10 Sekunden später nach.

Nach dem eindrücklichen Erlebnis beim Rauchloch geht es weiter über satte Magerwiesen zum Berg­gasthaus Sellamatt. Dort beginnt der Klangweg. Alle paar Hundert Meter wartet eine neue Klanginstallation darauf, von den Wanderern ausprobiert zu werden. Besonders beeindruckt sind wir von der Klangmühle, die mit 160 Saiten bespannt ist und an eine tibetische Gebetsmühle erinnert, einfach viel grösser. Insgesamt gibt es 25 ungewöhnliche Instrumente zu entdecken.

Ein Bergsee wie aus dem Bilderbuch
Vorbei an der Bergstation Iltios führt uns unser Weg zu den zwei malerischen Schwendiseen – ein märchenhafter Ort. Wir springen in den vorderen Schwendisee und geniessen vom Floss aus die imposante Sicht auf das gegenüberliegende Säntismassiv. Das Ufer ist von Schilf und ein paar öffentlichen Feuerstellen gesäumt. Im See schwimmen neben Schleien und Egli auch Hechte. Fischer können beim Tourismusverein Wildhaus eine Lizenz lösen und sich auf die Jagd machen. Gegen eine kleine Gebühr steht zudem ein Fischerboot zur Verfügung.

Die Thur entspringt im Chämmerlitobel bei Unterwasser, 135km später mündet sie in den Rhein. Foto: Daniel Ammann
Die Thur entspringt im Chämmerlitobel bei Unterwasser, 135km später mündet sie in den Rhein.

Frisch gebadet geht es weiter in Richtung Tal. Unsere Wanderung endet in Unterwasser, wo das letzte Highlight auf uns wartet. Keine 15 Minuten weit weg vom Dorfplatz gelegen, sprudelt die Thurquelle in Form zweier aufeinanderfolgender Wasserfälle aus den Felsen. Nach dem Rhein ist sie der zweitlängste Fluss der Ostschweiz und hat dem Kanton Thurgau den Namen gegeben. Der Name «Thur» geht auf das indogermanische Wort «dhu» zurück, was «die Eilende» bedeutet. Wir haben es zum guten Glück nicht eilig und lassen in Gedanken noch einmal die schöne Wanderung Revue passieren – was für ein herrlicher Tag!

Klangweg
Am Fusse der Churfirsten zwischen der Alp Sellamatt und Wildhaus warten insgesamt 25 Klanginstallation auf die Wanderer. Die Wanderung ist einfach und selbst für Eltern mit Kinderwagen problemlos machbar.
www.klangwelt.ch

Restaurant Gaden
Das Restaurant liegt unterhalb der zwei Schwendiseen. Im ehemaligen Stall lässt sich bei urchigem Ambiente hervorragend speisen. Hier werden sogar noch Kutteln serviert – Respekt!
www.gadelodge.ch

Bloderchäs
Der fettarme Bloderchäs hat eine lange Tradition im Toggenburg und sollte unbedingt probiert werden. Wer ausserhalb der Geschäftszeiten unterwegs ist, dem sei die Käserei Stofel in Unterwasser empfohlen. Vor dem Eingang steht ein Automat voller Käse, der rund um die Uhr zugänglich ist.
www.kaesereistofel.ch






Die Wanderung

  • Strecke: Alp Selun – Sellamatt – Iltios – Schwendiseen – Unterwasser: ca. 14 Kilometer
  • Zeit: 4 Stunden (ohne Pause)
  • Schwierigkeitsgrad: einfach
  • Seilbahn Selun: einfache Fahrt Erwachsene 10 Fr., Kinder 5 Fr., Hunde 5 Fr.
  • Verbindungen nach Unterwasser im Toggenburg:
    ab Zürich 2 Stunden, ab Luzern 2 Stunden 40 Minuten, ab Basel 3 Stunden 15 Minuten





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